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STÖRCHE IN JAGSTHEIM
 



 

Weißstörche in Jagstheim am 19. April 2009:
Das Männchen trägt Nistmaterial ein, das Weibchen richtet es zurecht. Nach Klappern und Halskraulen (rechts) finden zwei Paarungen statt. Dazwischen wird das Gefieder geordnet. Sodann fliegen Männchen und Weibchen auf Jagstwiesen hinaus, fangen und fressen Regenwürmer.

Störche der oberen Jagst sind Wiesenvögel. In Ellwangen nisten sie bis etwa 1916, in Crailsheim bis etwa 1940, ehe die Jagstwiesen entwässert und überbaut, den Störchen ihr Lebensraum genommen wird. In Jagstheim bleiben sie bis etwa 1947; aus dem 400 Meter hohen Ort, seine Höhe schon suboptimal für süddeutsche Störche, verdrängen kühler werdende Sommer die wärmeliebenden Tiere. Auch bricht in den 1960er Jahren eine schwere Dürre der afrikanischen Sahelzone aus, wo die Störche überwintern; viele kehren nicht zurück. Im Jahr 1975 gibt es in Baden-Württemberg bloß noch 15 nistende Storchenpaare! Die Saheldürre endet, die Sommertemperaturen des Brutgebiets steigen seit 1990 steil über das langjährige Mittel, 2005 nisten wieder 310 Paare. Im Jahr 2008 brütet nach über sechzig Jahren wieder ein Paar in Jagstheim, zwei Junge fliegen aus.

Am 11. April 2009 berichtet das Hohenloher Tagblatt über die Jagstheimer Störche:
Das Storchenpaar ist wieder da. Herr Storch kam bereits am 3. März und bezog das alte Nest. Er brachte immer wieder Nistmaterial. Man könnte meinen, dass er sehnsüchtig auf Frau Storch wartete, denn immer klapperte er lautstark, als wollte er sich bemerkbar machen. Am 4. April kam endlich seine Frau, die im vergangenen Jahr acht Tage später, aber insgesamt vier Wochen früher angekommen ist. Vermutlich war die Witterung am späten Kommen schuld. Nun scheint alles in Ordnung zu sein, denn schon am 8. April war Storchenhochzeit (Begattung). Zwischenzeitlich waren auch andere Störche am Nest, das aber von Herrn Storch verteidigt wurde.

Am Ende des Sommers ziehen die Mitglieder einer Storchenfamilie zu oft ungleichen Zeiten ins Winterquartier weg: Die eine Hälfte unseres Zugmischgebiets nach Westen und über Gibraltar in die Sahelzone südlich der Sahara, die andere nach Osten und über den Bosporus bis hinab nach Südafrika. Oststörche kommen wegen der längeren Zugwege meist später zurück; das diesjährige Jagstheimer Weibchen ist wohl ein Oststorch. Oft kehrt einer der zwei letztjährigen Störche brutortstreu wieder ins alte Nest zurück. Kommt ein Partner hinzu, führen Beschwichtigungshandlungen Männchen und Weibchen zusammen und lösen die Paarung und Paarbildung aus. Lebenslängliche individuelle Treue wie bei Gänsen oder Rabenvögeln scheint nicht vorzukommen. Einjährige Saisonehe ist in unserem Gebiet Regel; ein Storchenweibchen im nahen Dinkelsbühl war in vier aufeinanderfolgenden Jahren mit vier verschiedenen Männchen verheiratet.

Lebensraum der Jagstheimer Störche ist das Tal der Jagst, sie fließt am Storchenkamin der Oberen Mühle rechts vorbei. Weite Jagstwiesen sind Nahrungsgründe. Dieses Überschwemmungsgebiet darf nicht bebaut oder in Äcker umgebrochen werden (Gesetz zum vorbeugenden Hochwasserschutz von 2005). - Das Storchenweibchen oben fängt aus Jagstwiesen Regenwürmer. Sie sind wichtigste Speise auch für die noch kleinen Storchenjungen, da diese noch keine Mäuse schlucken können (Storcheneltern zerkleinern keine Nahrung, sondern würgen sie ihren Jungen aus).




 
Storchennest auf dem Kamin der Oberen Mühle  
Storch in den Jagstwiesen